Gemeinschaft der Gemeinden Alsdorf

Impuls zum 2. Sonntag der Osterzeit. B - 11. April 2021

Evangelium: Joh 20, 19ff.

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beten
Datum:
Mi. 7. Apr. 2021
Von:
B. Schumacher

Wir lesen im Johannesevangelium (Joh 20, 19ff.):

Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!

Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

Thomas,  der Dídymus – Zwilling  - einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen.

Er entgegnete ihnen:

Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen  sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal  der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege,  glaube ich nicht.

Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei.

Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!

Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände!

Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sagte zu ihm:

Mein Herr und mein Gott!

Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig, die nicht sehen und doch glauben.

 

Nach der Katastrophe des Karfreitags sind die Jünger des Herrn offensichtlich enger zusammengerückt.
Sie haben sich getroffen, irgendwo im Keller oder auf dem Dachboden eines Freundes.
Wer verstört ist und aus der Bahn geworfen, der braucht den Trost und die Nähe von Menschen, die ihn verstehen, an die er sich anlehnen und bei denen er sich ausweinen kann.
Das tut gut: denn geteiltes Leid ist halbes Leid.
Die Kirche ist von ihren Anfängen her eine solche Trostgemeinschaft: jetzt müssen wir erst recht zusammenhalten, uns gegenseitig stützen und bestärken.
Der Apostel Thomas dagegen denkt anders: er will mit dem Schock und der Enttäuschung des Karfreitags allein fertig werden: das muss ich mit mir selber ausmachen.
Er ist nicht weniger gläubig als die anderen Jünger auch; er ist vielleicht eher unkirchlich:
meine Lebensgeschichte und mein Glaube – das ist Privatsache, da brauche ich nicht die Gemeinschaft der anderen.
Er hat nichts dagegen, dass die übrigen sich treffen am ersten Tag der Woche: vielleicht sagt er sich: gelegentlich werde ich auch hingehen, wenn ich dazu das Bedürfnis habe, aber zur Zeit zieht mich nichts hin. Mein Glaube geht nur mich etwas an.
Thomas bleibt allein. Und er muss erfahren, dass er etwas verpasst hat, dass die Sache Jesu fast ohne ihn weitergegangen wäre.
Unser Herr hat nicht nur gesagt: Geh in deine Kammer und schließe die Tür hinter dir zu,
wenn du beten willst. Er damit nicht gemeint: Geh in den Wald und erlebe dort das Frühlingserwachen; mach eine Bergwanderung und bewundere die Felsmassen, geh über  die Wiese und bewundere die Schönheit der Schöpfung, oder ähnliches, das manche gern anführen als Gründe, warum sie eben nicht am Sonntag in die Kirche gehen müssten.
Dem Thomas – so denke ich es mir – ist ein Wort des Herrn wieder eingefallen:
Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.
Im Erlebnis der Gemeinschaft kann etwas passieren, was der einzelne nicht so erlebt; im Gottesdienst der Gemeinde können Erfahrungen gemacht werden, die dem einzelnen verschlossen bleiben.

Thomas hat etwas verpasst.
Und noch etwas anderes kommt bei Thomas dazu, das ihn als modernen Menschen von heute kennzeichnet: er will nicht aus zweiter Hand leben und glauben.
Nicht weil andere mal gehört haben von einem, der es auch nur gehört haben soll ...
Nein. Thomas, will selbst sehen, will fühlen, auch wenn er sich am Feuer die Finger verbrennt.
Kennen Sie das nicht auch? Aus Gesprächen mit Bekannten, aus Diskussionen mit Heranwachsenden, als quälende Frage aus dem eigenen Herzen?
Ich möchte ja glauben, aber da sind so viele Fragen mit Warum!
Da sind so viele Zweifel: wenn es wirklich so wäre, dann müsste doch ...!
Da ist so vieles, was mich ärgert und abstößt -  auch in der Kirche. Gerade auch aus den aktuellen Ereignissen der letzten Wochen.
Da ist so vieles fremd, weltfremd oder unbarmherzig.
Da ist so vieles verschüttet und verhärtet und verkrustet, auch in mir – und ich möchte doch so gern glauben können, sicher und fest, vertrauensselig: Herr, hilf meinem Unglauben!
Zweifel können eine vorwärtsdrängende Wirkung haben.
Ein amerikanischer Journalist hat einmal geschrieben: 

Ob du glaubst, es gebe einen Gott, oder ob du glaubst, es gebe keinen: Wenn du niemals Zweifel hast, dann beschwindelst du dich selbst oder du schläfst. Zweifel sind Ameisen in der Hose des Glaubens.
Sie sorgen dafür, dass du wach bleibst.

Einen aufgeweckten Glauben, der in der Gemeinschaft der Mit-Zweifler und Mit-glaubenden im Hören auf Gottes Wort und im Essen von dem einen Tisch genährt wird,  das wünsche ich uns allen!

 

Bärbel Schumacher

 

Impuls zum 5. Fastensonntag

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